Ressistance through Art – Besuch im Jenin Friedenstheater

 

Kultur ist ein wunderbares Kommunikationsmittel um Menschen zu bewegen, zu motivieren sich gesellschafts-politisch zu engagieren. Dies habe ich während meinem langjährigen Engagement persönlich erfahren. Deshalb wollte ich während meinem Einsatz in Palästina/Israel unbedingt das Friedenstheater in Jenin, nördlich von Nablus besuchen.

Jonatan Stanczak ist der Programm-Koordinator des Theaters. Seit 10 Jahren leitet er als gebürtiger Schwede mit israelischem Pass das Friedenstheater. Er ist der Sohn zweier Holocaust-Überlebender, die nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst nach Israel gingen und später nach Schweden. Er empfängt uns, begleitet uns in den Theaterraum und beginnt mit der Geschichte des Friedenstheaters.

Das Jenin Flüchtlingscamp entstand 1953 für aus ihrer Heimat geflohene bzw. vertriebene Palästinenser/innen. Während der 1. Intifada (Intifada ist arabisch für Erhebung, Abschüttelung) in den späten 80iger Jahren kam Arna Mer Khamis mit Stiften und anderen Mal-Utensilien ins Flüchtlingscamp und verteilte sie an die Kinder. Aufgewachsen in einer jüdischen Familie hatte sie sich entschlossen mit palästinensischen Kindern zu arbeiten. Sie begann ein alternatives Konzept zu entwickeln mit dem Ziel, den Kindern Möglichkeiten für andere Realitäten im gewaltsamen Alltag zu schaffen. Zusammen mit Frauen des Flüchtlingscamps gründete sie 1989 das Friedenstheater und bald waren 2000 Kinder an diesem einzigartigen Projekt beteiligt. Theater und Kunst sollten den Kindern helfen die chronischen Ängste, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen zu überwinden. Arnas Arbeit ist im international ausgezeichneten Film „Arna’s Children“ dokumentiert, den ihr Sohn Juliano Mer Khamis, gedreht hat. Arna starb 1995 an einer Krankheit.

https://www.youtube.com/watch?v=cQZiHgbBBcI

Mit dem Oslo Friedensabkommen 1993 kam Hoffnung auf für einen baldigen palästinensischen Staat und Frieden. Was mit Vertrauen in eine bessere Zukunft begann, wechselte bald in Frustration, da Israel die Siedlungspolitik in der Westbank weiter vorantrieb.  Im Jahr 2000 brach die 2. Intifada aus, gekennzeichnet mit massiver Gewalt auf beiden Seiten. 2002 stürmte das israelische Militär das Flüchtlingscamp nach tagelangen Kämpfen. Es kam zu immensen Zerstörungen innerhalb des Flüchtlingscamps, auch das Theater wurde beschädigt und geschlossen.

Arnas Sohn Juliano, der in Israel als Schauspieler grossen Erfolg feierte, besuchte 2006 Jenin. Er wollte sehen, was aus den Kindern geworden war, mit denen seine Mutter gearbeitet hatte. Im Film «Arna’s childern» ist das sehr eindrücklich dokumentiert:

Fast alle Kinder waren getötet worden, etliche als Anführer der bewaffneten Gruppen von Jenin, manche hatten Selbstmordattentate gegen Israel verübt. Juliano eröffnete das Theater seiner Mutter wieder und begann von vorne. Bis 2011 war er Generaldirektor des Theaters, dann wurde er «von einem unbekannten Feind der Kultur und Freiheit» brutal ermordet.

Von der Geschichte zum Theateralltag

Jonathan schildert uns in einigen Sätzen die Mission des Friedenstheaters. Kultur sei ein wichtiges Mittel der Befreiung. Wir bieten einen sicheren Raum an, in dem Kinder und Jugendliche handeln, schaffen und sich frei entfalten können. Reflektieren und Lernen auf spielerische, stressfreie Art. Es ist uns wichtig, Frauen in der Gemeinde zu stärken und das Potenzial der Künste als wichtigen Katalysator für den sozialen Wandel zu erforschen.

Das Friedenstheater bietet eine Reihe von kulturellen Aktivitäten, darunter Drama-Workshops, Theateraufführungen, eine dreijährige professionelle Theaterschule und Ausbildung in Bühnenmanagement, Fotografie, Filmemachen und kreatives Schreiben.
Seit 2011 gibt es das Friedensbus-Projekt, das interaktives Theater und kulturellen Aktivismus benutzt, um Zeugnis zu geben, Bewusstsein zu schärfen und Allianzen in ganz Palästina und darüber hinaus zu bauen.

Jährlich ist das Theater mit wechselnden Programmen im In- und Ausland unterwegs.

Ich schliesse diesen Blog mit Jonathans Worten:

„Wir drehen die Pyramide von Autorität und Macht um. Wir tun dies, indem wir bedrückende Elemente in der Gesellschaft herausfordern, indem wir Alternativen realisieren und hierarchische Befehle von Macht und Entscheidungsfindung ablehnen.“

http://www.thefreedomtheatre.org/

Yanoun, 13. Mai 2017 MNA

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