Das Drachenfest von Burin

In der kleinen Stadt Burin, südlich von Nablus, liessen am 8. Juli Erwachsene und Kinder ihre Drachen steigen. Die Stadt in den Hügeln ist von den Siedlungen Bracha und Yitzhar umgeben.

PalästinensersInnen versammeln sich zum Drachenfest ©EAPPI/2017

Wir haben Ghassan, der das Drachenfest iniziiert hat, das erste Mal Ende Juni getroffen, als 45 Olivenbäume einer Familie aus Burin von Siedlern abgesägt wurden und wir darüber rapportierten. Die betroffene Familie hatte keinen Zugang zu den beschädigten Bäumen, da diese in Area C (vgl. UNOCHA humanitarian map) sind. Um in dieses Gebiet zu kommen, benötigen PalästinenserInnen eine Bewilligung der israelischen Regierung. Diese bekommen sie in der Regel einmal jährlich für die Olivenernte im Herbst. Die israelische Organisation „Rabbis for Human Rights“ ist in Area C zugelassen und hat den Schaden dokumentiert. Neben den zerstörten Olivenbäumen wurde auf einen Stein «revenge» in Hebräisch gesprayt, worüber die palästinensische Nachrichtenagentur Ma’an News am 25. Juni berichtete. 

Ghassan setzt sich seit Jahren für seine Gemeinde ein. Er war der Gründer des Jugendzentrums, das 2007 das erste Drachenfest organisierte. Kinder aus Burin, umliegenden Dörfern und den Flüchtlingscamps wurden dazu eingeladen. Bis 2014 war dies ein jährliches Ereignis, um die Kinder abseits von Alltag und Politik Kinder sein zu lassen.

Kind lässt Drachen steigen ©EAPPI/2017

Jedoch ist dieses Fest auch Ausdruck der Resistenz der Bevölkerung. So erzählt Ghassan, der aufgrund seiner Aktivitäten für seine Gemeinde schon mehrmals inhaftiert wurde, dass die PalästinenserInnen ins Gefängnis gehen, um „auszuruhen“ und mit noch mehr Kraft wieder rauskommen, um gegen die Besetzung zu protestieren. Während Ghassan uns dies erzählt, hört sein Vater ihm schweigend zu und schüttelt lachend den Kopf.

So wurden Drachen jährlich fliegen gelassen bis 2014. Aufgrund von Problemen mit den umliegenden Siedlungen und mit dem israelischen Militär konnte das Drachenfest nach drei Jahren Unterbruch erstmals 2017 wieder stattfinden.

Etwa 100 Kinder und Erwachsene waren vor Ort, um die Drachen über den Hügeln steigen zu lassen. Natürlich wurde laute Musik gespielt, getanzt und gegessen. Jedes Kind bekam zum Abschluss eine Medaille als Preis.

Drachen über Bracha Siedlung ©EAPPI/2017

Israelische Soldaten und Siedler beobachteten das Spektakel aus den entfernten Hügeln.

Wie kam Ghassan auf die Idee mit den Drachenfest? Er erklärt, dass die PalästinenserInnen die Flugzeuge am Himmel sehen, aber nicht mitfliegen können. Darum lassen sie ihre eigenen steigen!

 

Viola, Yanoun, Juli 2017

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