Bildung in Palästina

Yanoun ist ein kleines Dorf südlich von Nablus, mit etwa 80 EinwohnerInnen. Hala, eine Yanouni, ist die Tochter von Yassir und Wasfia. Sie hat einen Abschluss von der Nablus Universität in angewandter Chemie. Ihr älterer Bruder ist Ingenieur und arbeitet in Riad. Ihr jüngerer Bruder studiert an derselben Universität Informatik und der Jüngste der Familie beginnt diesen Herbst sein Studium. Die Familie lebt von der Landwirtschaft, sie hat eine kleine Schafherde, ein paar Hühner und ein Stück Land mit Olivenbäumen. Bildung ist wichtig. Die Chancen, nach dem Studium eine Arbeit zu finden, sind gering. Hala sucht bereits seit zehn Monaten eine Stelle. Derweil produziert sie Seife und Cremes im Haus ihrer Familie.

Die Primarschule in Yanoun wird von neun Kindern aus der Region besucht. Da es in Yanoun selbst nicht genügend Kinder im schulpflichtigen Alter hat, kommen sie auch aus der Umgebung. Die Schule wurde ursprünglich im unteren Teil von Yanoun geführt. Dort war sie besonders während der zweiten Intifada Angriffen und Einschüchterungen von Siedlern und starker Militärpräsenz ausgesetzt. So wurde die Schule im unteren Teil geschlossen und im oberen Teil von Yanoun eröffnet. Es ist für die Yanounis eine Frage des Prinzips, die Schule weiterzuführen – auch für neun Kinder. Denn Bildung ist wichtig.

Im nahegelegenen Dorf As Sawiya gehen etwa 600 Jugendliche in die „As Sawiya Mixed School“. 22 der Jugendlichen sind Mädchen, die sich entschieden haben, ihren Abschluss in Naturwissenschaften zu machen und deswegen die gemischte Schule an Stelle der Mädchenschule besuchen. Denn diese ist auf Geisteswissenschaften spezialisiert.

As Sawiya Mixed School, @EAPPI 2017

Die As Sawiya Mixed School liegt direkt an der Road 60, die sowohl von SiedlerInnen wie auch von PalästinenserInnen benutzt wird. Trotz des schönen Geländes sind der Innenhof und das Gebäude aus dem Jahr 1944 etwas heruntergekommen. Dadurch, dass die Schule in der von Israel militärisch und zivil verwalteten Area C gelegen ist, benötigen Bau- und Renovationsarbeiten eine Bewilligung der israelischen Behörden. Eine solche wurde bisher nicht erteilt. Aufgrund ihrer Lage ist die Schule ein Hotspot. Den Soldaten zufolge ist ihre Präsenz aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Siedler von Nöten. Wenn die Jugendlichen sich der Strasse entlang auf den Weg zur Schule machen, würden sie auch mal Steine werfen. So passieren die SchülerInnen jeden Morgen und Nachmittag die Soldaten mit ihren M16 im Anschlag.

Auf dem Schulweg, ©EAPPI 2016

Mohammed, der Schulmeister, erzählt von der täglichen Präsenz der Soldaten, die manchmal auch in die Schule kommen und mit Tränengas um sich werfen. So musste die Schule im letzten Jahr sechs Mal evakuiert werden, da die Soldaten in das Gelände eindrangen. Für die Schüler und Schülerinnen ist dies ein konstanter Stress. Mohammed stellt fest, dass diese Anspannung Gewalt unter den Jugendlichen auslöst und sich negativ auf ihre Konzentration auswirkt. Auf die Frage, woher die Jugendlichen ihre Motivation nehmen, gute Noten zu bekommen, obwohl die Aussichten auf eine Anstellung, auf eine Zukunft ohne Gewalt so gering sind, meint er: «Bildung ist der Weg raus aus der Besatzung »! Und die Schüler und Schülerinnen wissen dies von klein auf.

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