Zatar-Tee im Olivenhain

Gespräch im Schatten mit Tee aus Zatar-Blättern
Gespräch im Schatten mit Tee aus Zatar-Blättern ©Marcus/EAPPI/2015
Dolmetscher und EA: Tea Time auf freiem Fel
Dolmetscher und EA: Tea Time auf freiem Fel ©Marcus/EAPPI/2015

So einfach kann das Leben sein. Und auch ein gutes Glas Tee. Wir warten in der prallen Sonne an einem Road-Gate. Dolmetscher Abed Nawaja hat die gute Idee, die Situation aus dem Schatten zu überwachen. Und die noch bessere Idee, uns alle Ingredientien für einen Tee zu besorgen. Teekanne, Zucker und Gläser leiht er bei einer Bäuerin aus. Mich schickt er hoch zu einem jungen Schafhirten, der ein paar Zatar-Pflanzen zusammensucht. Kollege Nelson (nicht „Mandela“) sammelt Holz.

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April-Wetter am Checkpoint

Gefühlte zwei Grad, 97 % Luftfeuchtgkeit
Gefühlte zwei Grad, 97 % Luftfeuchtgkeit ©Marcus/EAPPI/2015
Regen den ganzen Tag in Westbank Süd
Regen den ganzen Tag in Westbank Süd ©Marcus/EAPPI/2015

Morgens um vier, gefühlte 2° Celsius, am Meitar-Checkpoint. Ein Grenzübergang nach Israel ganz im Süden der besetzten palästinensischen Gebiete. Es giesst fast ununterbrochen  von oben. Für einmal geht es den Beobachtern schlechter als den Palästinensern. Sie sind immerhin unter Dach in der Warteschlange. Wir zählen die Arbeiter von aussen, wenn sie durch eines der vielen Drehkreuze zur ID- und Fingerabdruck-Kontrolle gehen. Heute bleibt der Zähler bei 3454 stehen, dabei zwei ältere Frauen. Das Wetter bestimmt die Arbeitsmöglichkeiten: Bei Regen werden weniger Tagelöhner für die Landwirtschaft und das Baugewerbe gebraucht. Aus dem gleichen Grund kommen etliche wieder durch den Checkpoint zurück. Dominieren sonst Abgewiesene, deren Arbeitsbewilligungen plötzlich ausser Kraft gesetzt wurden, zeigen heute die meisten zum Himmel und seiner klammnassen Entladung. Dem Aprilwetter etwas Gutes abgewinnen konnte Hassan, der unter einer Blache für drei Schekel heissen Kaffee verkauft: „Die Wiesen werden viel länger grün bleiben.“ Und noch ein Trost für den tropfnassen ökumenischen Begleiter: Um acht Uhr fährt der Bus ins wesentlich wärmere Jericho.

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Bethlehem: die andere Art von Marathon

Zwei Wochen nach den Israel-Wahlen erinnert die Westbank an Besatzung und eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Rennen entlang der Mauer zwischen Israel und der Westbank.
Rennen entlang der Mauer zwischen Israel und der Westbank ©Marcus/EAPPI/2015

Marathonläufer sind Frühaufsteher, auch in Jerusalem. Es ist fünf Uhr morgens am Damaskus-Tor. Noch weht eine frische Brise. Stunden später werden 3093 Laufbegeisterte mit über 20 Grad zu kämpfen haben. Die ersten Busse trudeln ein. Ein Bunsenbrenner sorgt für kochend heissen Kaffee und die Freitagsansprache eines Imams hallt aus dem Kofferradio. Bei der Fahrt in die nahe Nachbarstadt sind alle schon hellwach, Sportler und Zuschauer. Für Gesprächsstoff sorgt die Umstellung auf die Sommerzeit: In Jerusalem und Israel wurde über Nacht umgestellt. Die Westbank ist es erst 24 Stunden später soweit.

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Aufbruch nach Palästina

Vor meinem Einsatz als Freiwilliger in der Westbank

„Palästina? Das existiert hier nicht!“, stellt sie bei Konsultation der Länderliste fest: Die Impfberaterin im Genfer Unispital sticht mich schliesslich gegen Typhus, Polio und Hepatitis A. Letzte Vorbereitungen für meinen Freiwilligeneinsatz und klarer Hinweis auf einen nicht ganz klaren Status meines Reiseziels.

Aber erst seit dem 17. März 2015 bin ich in Jerusalem, zusammen mit 30 Entsandten aus einem Dutzend Ländern. Nach der Einführungswoche werden wir auf sieben Standorte (placements) im Westjordanland verteilt, um als Begleiter passiven Schutz zu gewähren und als Beobachter Menschenrechts-Verletzungen zu dokumentieren.

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Jordantal

Die Konfiszierung und Umzonung von Land in palästinensischem Besitz ist eines der grössten Probleme der Bevölkerung, die im besetzten Jordantal lebt. Diese Strategie hat dazu geführt, dass rund 94% des Landes im Jordantal nicht mehr zugänglich ist für die PalästinenserInnen, die es besitzen. Die gewaltsame Vertreibung von PalästinenserInnen aus ihre Dörfern und von ihrem Land hat zum Ziel, ganze Zonen zu militärischem Übungsgelände für die israelische Armee umzufunktionieren oder für den Ausbau von Siedlungen zu nutzen. Der Gebrauch unterirdischer Wasserressourcen durch die gemäss internationalem Recht illegalen israelischen Siedlungen bringen die landwirtschaftliche Produktion zum Stillstand und verunmöglichen jegliche wirtschaftliche Entwicklung für die PalästinenserInnen in der Region.

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Nördliches Westjordanland

Einige palästinensische Familien im nördlichen Westjordanland sind in den sogenannten „seam zones“ regelrecht eingeschlossen,  in dem Gebiet zwischen der „grünen Linie“ (der international anerkannten Grenze von 1949) und der israelischen Trennmauer, die zum Teil weit in palästinensisches Territorium hineinreicht. Seit dem Bau der israelischen Trennmauer ist es für viele Bauern und Bäuerinnen schwierig, die notwendige Bewilligung für den Zugang zu ihrem eigenen Land zu bekommen. Aber auch mit der entsprechenden Bewilligung wird ihnen oft verwehrt, die Landwirtschaftstore  und Checkpoints zu passieren.  Die Armee führt im nördlichen Westjordanland regelmässig militärische Durchsuchungen und Verhaftungen durch. Gewalt und Belästigungen durch israelische SiedlerInnen gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung ist ein zunehmendes Problem.

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Eine Freiwillige von EAPPI ist am Checkpoint von Nazlat präsent, einem Dorf zwischen der „grünen Linie“ in der Nähe von Tulkarem, um sicherzustellen, dass die Kinder, die jenseits des israelischen Trennmauer leben, zur Schule gehen können. ©EAPPI/2014

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Südliches Westjordanland

In dieser Region führt die Ausdehnung israelischer Siedlungen dazu, dass Bauern- und Hirtenfamilien Zugang zu immer weniger Land haben. Dieses wird zum Teil enteignet, zum Teil verhindert Gewalt von SielderInnen, dass Bauern ihr Land kultivieren können. viele Dörfer sind von Hauszerstörungen betroffen. Weil die palästinensischen Ortschaften unter israelischer Planungshoheit stehen, haben die DorfbewohnerInnen kaum Chancen, eine Baubewilligung zu erhalten.

Hebron ist die einzige Stadt im Westjordanland, in der israelische Siedlungen direkt im Stadtgebiet liegen. Deshalb wurde sie 1997 im Hebron-Protokoll zweigeteilt und das Gebiet, in dem sich die Siedlungen befinden, unter israelische Kontrolle gestellt. Dies führt zu erheblichen Einschränkungen für die palästinensische Bevölkerung und zu täglichen Übergriffen auf PalästinenserInnen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Siedlungen leben. Arbeitsschwerpunkt des EAPPI-Teams in Hebron ist die Begleitung von SchülerInnen auf ihrem Weg zur Schule durch militärische Checkpoints und und der Schutz vor Übergriffen von SiedlerInnen und deren Kinder.

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Kinder auf der Weg zur Schule beim Passieren eines Checkpoints. © EAPPI 2014

Bethlehem liegt nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt, ist jedoch durch den Bau der israelischen Sperranlage durch eine Mauer davon abgeriegelt. Die EinwohnerInnen können sich nicht mehr frei nach Jerusalem bewegen, etwa um dort zu arbeiten. Aufgrund der angespannten politischen Situation der letzten Jahre und des Baus der Sperranlage halten sich nur wenige Touristen länger in Bethlehem auf, was dazu führt, dass eine der Haupteinnahmequellen der Stadt verloren ging. Die Aufgabe des EAPPI-Teams besteht in der Beobachtung des Checkpoints und im Sammeln von statistischen Daten. Sie begleiten die BewohnerInnen der umliegenden Dörfern bei ihren Aktionen gegen Hauszerstörungen durch die israelische Armee oder bei gewaltfreien Demonstrationen gegen die israelische Sperranlage.

Die Region South Hebron Hills ist fast ausschliesslich als «Area C» deklariert, d.h., es wird vollständig von Israel kontrolliert. Zudem befinden sich mehrere militärische Sperrzonen und Übungsgelände in diesem Gebiet. Dies schränkt die ansässige palästinensische Bevölkerung in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Landnutzungs-
rechten stark ein. Regelmässig kommt es zu Zerstörungen von Häuern, Zisternen oder gar Zelten durch die israelische Armee. Auch gewaltsamen Übergriffen durch Siedler ist die Bevölkerung praktisch schutzlos ausgesetzt. Das EAPPI-Team gewährleistet Präsenz und dokumentiert Fälle von Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen seitens israelischer SiedlerInnen. Teils in Zusammenarbeit mit israelischen Friedensorganisationen oder dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte.

 

Ost-Jerusalem

Jerusalem ist ein Zankapfel in allen Friedensgesprächen. Der Westteil der Stadt ist mehrheitlich von jüdischen Israeli bewohnt, der von Israel annektierte Ostteil mehrheitlich von PalästinenserInnen. Während in Ostjerusalem der Bau von israelischen Siedlungen voranschreitet, haben PalästinenserInnen damit zu kämpfen, dass sie kaum Baubewilligungen erhalten und dass ihre Aufenthaltsrechte in Ostjerusalem zunehmend eingeschränkt werden.  Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist eines der grössten Probleme für Personen, die in der Altstadt von Jerusalem ihr Recht auf freien Zugang zu religiösen Stätten (zum Beispiel zur Grabeskirche oder zur Al Aqsa Moschee) wahrnehmen möchten. Die Umsiedelung von Familien und die Zerstörung von Häusern und Infrastruktur sind ebenfalls akute Probleme. Davon sind auch Beduinengemeinschaften betroffen, die in der Umgebung von Ost-Jerusalem leben.

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Women in Black ©EAPPI/2014

Die Freiwilligen von EAPPI sind präsent bei Hauszerstörungen in Ost-Jerusalem und dokumentieren diese. Sie arbeiten mit zahlreichen israelischen und palästinensischen Friedensgruppen und -organisationen zusammen, und begleiten diese bei ihren gewaltfreien Aktionen.

Die in Ost-Jerusalem stationierte EAPPI-Equipe deckt den gesamten Verwaltungsbezirk Jerusalem ab.

Willkommen auf dem Blog von EAPPI-Schweiz!

Willkommen auf dem Blog von EAPPI-Schweiz!

Auf dieser Plattform schreiben die Deutschschweizer MenschenrechtsbeobachterInnen (auch „EA“ –  Ecumenical Accompagnier – genannt), die aktuell in Ost-Jerusalem, im Jordantal, in der nördlichen und südlichen Westbank im Einsatz sind.  Sie bieten der betroffenen Zivilbevölkerung in Not im Rahmen von EAPPI  internationale Begleitung an. EAPPI ist ein Programm, das die Friedensbewegungen innerhalb beider vom israelisch-palästinensischen Konflikt betroffenen Gesellschaften stärkt, Friedensinitiativen stützt und die Zivilbevölkerung schützt.

Wie ist die Situation vor Ort? Wie verläuft der Alltag der von den EA’s begleiteten Personen? Wer sind sie überhaupt? Porträts, kurze Artikel, Reportagen, Photos und AugenzeugInnenberichte sind auf diesem Blog zu finden. Wir wünschen gute Lektüre!

Mehr Informationen über EAPPI findest du hier.

Hinweis: Die in diesem Blog vertretenen Meinungen sind persönlich und decken sich nicht zwingend jener der Sendeorganisationen.