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Mit Biogurken gegen die Besatzungsmacht

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Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Wenn die Besatzung des Westjordanlandes durch das israelische Militär jemals etwas Gutes hervorgebracht hat, dann ist es, dass Fayez Tanib Biobauer wurde.

Schon während seiner Jugend begann sich Fayez im gewaltlosen Widerstand politisch zu engagieren. Dies war seiner Meinung nach wohl auch der Grund, warum er 1978 festgenommen wurde, als er nach seinem Studium auf der Suche nach Arbeit die Allenbybrücke nach Jordanien überqueren wollte. 32 Tage sass er dazumal ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis und erhielt zusätzlich ein Ausreiseverbot auf unbestimmte Zeit. Da er danach in Palästina keine Arbeit finden konnte, die seiner Qualifikation als studierter Elektrotechniker entsprach, war er gezwungen in einem lokalen Bergwerk anzuheuern, wo er für einige Jahre arbeitete. Sein Vater betrieb eine Farm am Stadtrand von Tulkarem im nordwestlichen Westjordanland, wo seine Familie seit vielen Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftete. 1984 starb Fayez‘ Vater und mit ihm auch die Pflanzen, da niemand die Farm weiterführte. Als Fayez sechs Monate nach dem Tod seines Vaters seine Stelle in dem Bergwerk verlor, entschied er sich den Betrieb auf der Farm wieder aufzunehmen, womit er auch, wie sich später herausstellte, seinen Kampf gegen die Besatzung wieder aufnahm. Unterdessen hatte das israelische Militär direkt neben seinem Grundstück einen Sportplatz errichtet, wobei es auch gelegentlich das Grundstück von Fayez für ihre Aktivitäten nutzte. Natürlich liess sich das israelische Militär nicht einfach so von ein paar Gurken vertreiben und zertrampelte regelmässig seine Ernte. Fayez, der schon einiges über sich ergehen lassen musste, säte jedoch immer wieder von Neuem, bis sie ihn schliesslich vorerst gewähren liessen.

Im selben Jahr 1984, wurde angrenzend an Fayez Grundstück, die Nitzanei Shalom Industrie-Zone errichtet in der sich Israelis und Palästinenser durch wirtschaftliche Zusammenarbeit annähern sollten. Nitzanei Shalom bedeutet so viel wie „Knospen des Friedens“. Zu der Industrie-Zone gehören auch die Geshuri Fabriken in denen vor allem Düngermittel und Pestizide hergestellt werden. Zuvor standen die Geshuri Fabriken in Kfar Saba in Israel, wo sie 1982 aufgrund der Umweltverschmutzung durch eine Verfügung des israelischen Gerichtshofes geschlossen werden mussten.

Schnell bemerkte Fayez die Umweltschäden welche von den Fabriken ausgingen. So hatte er, seit die Fabriken errichtet wurden, des Öfteren Atemprobleme bei der Arbeit. Einige Jahre später stieg die Haut- und Lungenkrebsrate in Tulkarem drastisch an und ist heute viermal höher als in den übrigen palästinensischen Gebieten. Wie Fayez, vermutet auch Dr. Abdelfatah Tareq, Direktor des Gesundheitsamts von Tulkarem, dass die erhöhte Lungen- und Hautkrebsrate in Zusammenhang mit den Fabriken steht. Zudem haben palästinensische Fabrikmitarbeiter berichtet, dass sie die Anweisung erhalten haben bei Ostwind, welcher die Abgase über die Mauer nach Israel blasen würde, die Produktion einzustellen. Aus der Fabrik entweiche zudem auch schmutziges Abwasser, welches ungefiltert in den Boden fliesst, was die Farm und das gesamte Grundwasser der Region gefährdet.

Aufgrund der Chemiefabrik direkt neben seiner Farm wurden Fayez die Umweltschäden bewusst welche  die Düngermittel und Pestizide, die auch er benutzte, verursachten. Zudem wollte er auch keine Düngermittel und Pestizide mehr einkaufen, die hauptsächlich aus Israel kamen und evtl. mit den Geshuri Fabriken in Verbindung standen. So entschied er sich 1990 komplett auf die Chemie zu verzichten und begann mit dem biologischen Anbau. Die Umstellung war am Anfang nicht einfach, da er wenig über biologischen Anbau wusste und es zu dieser Zeit schwierig war in Palästina Informationen zu dem Thema zu bekommen. So experimentierte er meistens einfach bis er das gewünschte Resultat erzielte.

Mit der voranschreitenden Umweltbelastung durch die Fabrik fühlte Fayez sich jedoch dazu berufen, etwas aktiv gegen die Fabriken zu unternehmen und reichte 1998 bei den israelischen Behörden eine Beschwerde ein. Kurz darauf beobachtete Fayez, dass da, wo zuvor das Abwasser in den Boden sickerte, Tag und Nacht gearbeitet wurde. Als dann ein paar Gutachter kamen um sich die Situation vor Ort anzuschauen, stand da, wo zuvor das schmutzige Abwasser in ein Loch in der Erde gegossen wurde,  plötzlich ein Parkplatz mit Autos drauf. Für die Inspektoren und die israelischen Behörden hatte sich die Angelegenheit damit erledigt. Solche absurden Vorgänge sind in den besetzten Palästinensischen Gebieten nichts Ungewöhnliches. Auch später sind immer wieder Gutachter gekommen und haben Luft-, Boden- und Wasserproben genommen. Die Resultate dieser Untersuchungen wurden jedoch nie publiziert. Später versuchte Fayez mehrmals auf internationaler Ebene gegen die Geshuri Fabriken vorzugehen. Denn die Geshury Fabriken verstossen aus verschiedenen Gründen gegen internationales Recht, hauptsächlich da sie Teils auf privaten Grund von Palästinensern  errichtet wurden. Israel liess sich aber von den internationalen Beschlüssen nicht beeindrucken und so verschmutzen die Fabriken weiterhin die Luft und den Boden.

Mit dem Beginn der zweiten Intifada war es dann auch auf der Farm vorbei mit der Ruhe. 2003 konfiszierte Israel grosse Teile seines Landes um die Grenzmauer zu errichten, welche quer durch die Farm gezogen wurde. Seither ist seine Farm eingekeilt zwischen der Grenzmauer und den Chemiefabriken und nur noch durch eine kleine Zufahrtsstrasse erreichbar. Von den ursprünglichen 32 Dunums (3.2 Hektaren) Land seiner Familie blieben ihm gerade mal noch 13 Dunums. Als wäre das nicht genug, blockierte das Israelische Militär die Zufahrtsstrasse mit Betonblöcken, aus Sicherheitsgründen wie es hiess. So musste Fayez seine Güter und Gerätschaften jeweils 500 Meter zwischen der Strassensperre und der Farm hin und her tragen. Dies veranlasste Fayez, grösseres Geschütz aufzufahren und er wandte sich zusammen mit verschiedenen palästinensischen Organisationen wie „StopptheWall“ an den Internationalen Gerichtshof in den Haag um gegen die Mauer in Tulkarem Anklage zu erheben. Der internationale Gerichtshof gab Ihnen Recht und forderte Israel auf die Mauer wieder zu entfernen. Die Mauer steht jedoch immer noch und wird zurzeit gerade weiter ausgebaut.

Hakoritna Farm
Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Googlemaps/2017

Zwischen 2003 und 2005 musste Fayez unzählige weitere Schikanen über sich ergehen lassen. So wurde in diesem Zeitraum seine Bewässerungsanlage dreimal in Folge demoliert. Um herauszufinden wer dahinter steckt, legte sich Fayez in der Nacht auf die Lauer, bis er schliesslich einen Bulldozer auf frischer Tat ertappte.  Aus Wut stürmte er die Führerkabine, riss den Fahrer heraus und verpasste ihm einen Faustschlag. Es stellte sich heraus, dass er von den Geshuri Fabriken nebenan beauftragt wurde. Während dieser Zeit wurde auch mehrmals auf Fayez geschossen und er kam erneut sechs Monate in Untersuchungshaft. Als Fayez wieder im Gefängniss sass, musste seine Frau Mona die Farm alleine führen, worüber deren ältester Sohn später einen Dokumentarfilm erstellte. Der Kurzfilm ist zu sehen auf „the unkown soldiers“.

Als nächstes zerstörte das israelische Militär seine Gewächshäuser mit der Begründung, dass diese die Sicht auf das Gelände direkt an der Mauer versperren würden, wodurch ein Sicherheitsrisiko entstehe. Fayez liess sich jedoch nicht entmutigen und machte weiter. Als 2004 die Gurken wieder zu spriessen begannen, riegelte das israelische Militär das Gebiet mit einem Zaun komplett ab. Als Folge davon konnte Fayez sein Land für 18 Monate nicht betreten. Jeden Tag kam er zum Zaun um zu protestieren. Als er es dann eines Tages nicht mehr aushielt, schnitt er schliesslich ein Loch in den Zaun und nahm den Betrieb wieder auf. Anfangs prügelten ihn die Soldaten noch von seinem Land. Doch er versuchte es immer wieder, bis sie ihn schliesslich gewähren liessen. Die Farm war zu diesem Zeitpunkt weitgehend zerstört und er musste wieder von Null beginnen.

Heute ist Fayez Vater von vier Kindern und einer der erfahrensten und innovativsten Biobauern im Nahen Osten. Seinen Dünger  produziert er zum Beispiel aus Eseldung, welchen er von verschiedenen Eselhaltern aus der Stadt erhält. Mit einer selber gebauten Konstruktion mischt er den Dung mit Wasser und fängt oben das Methan ab, welches er unter anderem zum Kaffee kochen verwendet. Er besitzt auch eine grosse Samenbank mit welcher er internationalen Handel betreibt. Aufgrund der Wasserknappheit bewirtschaftet er seit neustem ein aquaponisches System, was als eine Kombination aus Fischfarm und Pflanzenanbau zu verstehen ist.  Dabei befindet sich das Wasser in einem Kreislauf zwischen Pflanzen und Fischbecken. Die Ausscheidungen der Fische (Ammonia) werden dabei durch Bakterien in Nitrate und Nitrite umgewandelt welche als Dünger für die Pflanzen dienen. Die Pflanzen und die Erde reinigen wiederum das Wasser, welches zurück in das Fischbecken fliesst.

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Methangewinnung aus Biodünger, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Die Hakoritna Farm produziert über Tomaten, Gurken, Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren fasst alles was in diesen Breitengraden anzutreffen ist. Mittlerweile ist sie in ganz Palästina und auch auf der anderen Seite der Mauer bekannt und es kommen Leute aus der ganzen Welt, um sich mit Fayez über biologischen Anbau auszutauschen.

Auf der Hakoritna Farm gibt es auch die Möglichkeit Freiwilligenarbeit zu leisten. Wer sich also für ein Volontariat auf Fayez‘ Farm interessiert und dabei mehr über biologischen Anbau erlernen will, kann ihn jederzeit auf seiner Facebook Seite #Hakoritna  kontaktieren.

Fahez Tanib
Fayez Tanib, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Stopthewall 2011

TO, Tulkarem, August 2017

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Madama – ein bezauberndes Dorf mit grossen Problemen (Ein Tagesbericht)

Unser Tagesplan sah vor, dass wir zuerst einen Besuch beim Project Hope 1) in Nablus machen. Die Leute in diesem Projekt sind wichtige Partner von EAPPI und manchmal vertreten Volontäre von Project Hope uns, wenn niemand von uns in Yanoun sein kann. Nach diesem Besuch fuhren wir weiter Richtung Beit Furik 2). Dort stand ein Besuch der Beit Furik Boys Secondary School auf dem Programm. Diese Schule gehört zu unseren Prioritäten, weil seit Oktober 2015 der Beit Furik Checkpoint immer wieder geschlossen, beziehungsweise mit Soldaten bemannt war. Da 20 der 26 Lehrer durch diesen Checkpoint müssen, wird der Schulbetrieb natürlich stark beeinträchtigt, wenn der Checkpoint nicht ungehindert passiert werden kann. Allerdings hatte sich die Situation in letzter Zeit etwas normalisiert, wie aus den EAPPI-Rapporten zu entnehmen ist.

Unser Programm wurde ziemlich abrupt auf den Kopf gestellt: Der Checkpoint war bei unserem Eintreffen geschlossen und ein Kolonne von etwa 30 Fahrzeugen wartete vor der von Soldaten bewachten Barriere.

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Wohin sollen wir denn noch gehen? – Wir bleiben hier!

Titelbild: Rashed will sein einfaches Zuhause nicht wieder woanders aufstellen. ©EAPPI_SHögberg

Kaum zu glauben, schon sind zwei Wochen „im Terrain“ vorbei! Dabei habe ich das Gefühl, mit meiner Arbeit gerade erst begonnen zu haben. Doch wie meine Kolleginnen und Kollegen, die mit mir zusammen als EA (Ecumenical Accompagniers/ Ökumenischer BegleiterInnen) tätig sind, habe ich bereits viele Geschichten zu erzählen. Wie schon mehrmals in diesem Blog erwähnt ist unser Ziel hier, die Menschen im Westjordanland zu begleiten, den Alltag, ihre Sorgen und Freuden kennenzulernen und, allein mit unserer Präsenz, ihnen Schutz zu geben. Aber auch Hoffnung zu geben auf Frieden.

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Zwei Frauen, eine Geschichte …

Maliha hat ihr schönstes Kleid angezogen für unser Treffen; es ist lang und schwarz mit der typischen roten Stickerei auf der Brust und einer silbernen Bordüre an den langen Ärmeln. Ein einfacher schwarzer Schleier bedeckt ihren Kopf, jedoch nicht das freundliche Gesicht. Leider dürfen wir sie nicht fotografieren, doch das Bild der würdevollen älteren Frau, die uns ruhig gegenüber sitzt, werden wir sobald nicht vergessen.

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Firing Zone 918: zwischen Rechtsstreit und harten Fakten

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Quelle: OCHA OPT

„Die Vermittlung zwischen den Masafer-Yatta-Dörfern und der israelischen Armee ist gescheitert“, erklärt uns Hamed Qawasmeh, mit dem wir in seinem weissen UN-Allradfahrzeug nach Jinba fahren, im Süden der Firing Zone 918. „Sie haben das Zeitfenster genutzt, bevor das Gerichtsverfahren wieder beginnt, und schaffen nun harte Fakten vor Ort“. Hamed, normalerweise sehr ruhig, scheint zornig zu sein. Er leitet das Büro der Vereinten Nationen in Hebron, OHCHR oPt (Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights). Er hat uns heute, am 2. Februar 2016, sehr früh angerufen, um uns mitzuteilen, dass die Zerstörung von Wohnzelten und anderen Bauten in Jinba um 5:00 Uhr morgens begonnen hat. Auch umliegende Dörfer sind betroffen, und er hat uns vorgeschlagen, ihn in die Gegend zu begleiten.

Was hier im Süden von Hebron zur Zeit geschieht, ist emblematisch für die Situation auf der gesamten Westbank; wir rufen uns noch schnell die Fakten in Erinnerung.

Quelle: OCHA OPT
Quelle: OCHA OPT

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Zerstörte Häuser, zerstörte Hoffnung

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13.01.16 South Hebron Hills, Khirbet Ar Rahwa, zerstörte Häuser, Photo EAPPI

Heute ist Mittwoch, der 13. Januar 2016, 12 Uhr mittags in Khirbet Ar Rahwa, ungefähr 15 km südwestlich von Yatta gelegen, nur 1km vom Checkpoint Meitar entfernt, im Süden der sogenannten “Green Line”. Das Hauszelt und ein Schafstall der Familie von Raje Barhan Samamri sind eben gerade zerstört worden, und zwar aufgrund eines Befehls der israelischen Distriktkoordination, die die Zone C auf der palästinensischen Westbank im Auftrag der israelischen Armee verwaltet.

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Eine überraschende Solidaritätsaktion mit Ta’ayush

Unser Fahrer ist pünktlich! Das ist nicht immer der Fall, denn Zeit ist hier eine ganz andere Kategorie. Heute Morgen fahren wir wieder mit ihm in die Hügellandschaft südlich von Hebron. Nach einer halben Stunde Fahrt auf den löchrigen steinigen Pisten – die wunderbare neue Schnellstrasse muss er meiden, denn sie ist nur für Israelis, also benutzt er Sandpisten durch die Felder – erreichen wir einen flachen steinigen Hügel, bedeckt von spärlicher Vegetation. Der Fahrer lässt uns gleich neben einem palästinensischen Camp aussteigen, und er bittet uns, zu Fuss bis zum Treffpunkt weiterzugehen, auf den höchsten Punkt des Hügels, wo jede Woche eine ganz besondere Versammlung stattfindet. Das macht er häufig: er bleibt zurück, um jeglichen Kontakt mit Soldaten der IDF[1] zu vermeiden.

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Birin: eine besondere Methode, palästinensisches Land zu beanspruchen

Israelische Siedler in Palästina haben verschiedene Formen der Landbeanspruchung entwickelt:

  • sie bebauen es einfach

  • sie bearbeiten es

  • sie ernten, was sie nicht gesät haben

  • sie zäunen es ein

  • sie erklären es als Naturpark oder archäologisches Gelände

  • sie halten dort religiöse Zeremonien ab, wie in Birin…

Morgens um 6 Uhr hiess es heute „auf nach Birin“! Birin ist ein ganz besonderer Ort in der Nähe von Yatta, aber in Area C, d.h. in dem Gebiet, in dem Israel die Oberhoheit über zivile und militärische Angelegenheiten hat, also über alles (Area C ist mehr als 60% der Westbank, die ja eigentlich, zusammen mit Gaza, der palästinensische Staat werden sollte, laut den Abkommen von Oslo 1993/1994).

Birin : Blau die von Israel kontrollierte Zone C. , violett die Siedlungen und gelb die von der Palästinensischen Autnomiebehörde kontrollierte Zone A.
Birin : Blau die von Israel kontrollierte Zone C. , violett die Siedlungen und gelb die von der Palästinensischen Autnomiebehörde kontrollierte Zone A.

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Aus dem Leben einer „ökumenischen Begleiterin“

Gerade eben sind wir in Yatta angekommen. «Wir», das ist das neue EAPPI-Team, das von Anfang Dezember 2015 bis Ende Februar 2016 in den Hügeln südlich von Hebron präsent sein wird. Yatta befindet sich in der Zone A, die im Prinzip ausschliesslich von der palästinensischen Regierung verwaltet wird, doch wir werden unsere Aktivitäten in der Zone C entfalten, die von der israelischen Armee verwaltet wird. Wir werden Familien begleiten, die in verschiedenen Dörfern eben dieser Zone ansässig sind und die in allen Bereichen ihres täglichen Lebens die Auswirkungen der Besatzung spüren: Zugang zu Wasser, Strom, Schulbildung, zu Feldern und Weidegründen, ganz abgesehen vom aggressiven Verhalten mancher israelischer Siedler.

Schon heute Nachmittag geht es nach Shi’b Al Butum; Gordon, Veronica aus dem alten Team und ich sitzen im Auto unseres Chauffeurs, das schon Einiges mitgemacht hat, doch diese Piste stellt es noch einmal auf eine harte Probe. Wir bemerken unterwegs sehr schöne Olivenhaine, die ausgesprochen gepflegt aussehen (wie fast alle Olivenbäume hier), ab und zu steht eine Reihe Weinreben dazwischen. Jedes Handtuch Ackerland, und wenn es noch so mager ist, wird bewirtschaftet, und wenn es zu klein für den Traktor ist, dann macht man es mit dem Esel, wie hier.

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Al Hadidiya – Eine Hirtengemeinschaft im Visier Israels

Die anfängliche Ruhe im Jordantal am Anfang meines Einsatzes ist nun endgültig einem immer grösser werdenden Sturm gewichen.

Abu Sakr, den ich in meinem ersten Blogeintrag „Steine für den Frieden?!“ kurz porträtiert habe und für den Bleiben der beste Widerstand ist,  und seine Hirtengemeinschaft Al Hadidiya sind ein weiteres Mal im Visier der Israelischen Behörden und der Armee. Die Existenz dieser Gemeinde war seit längerem bedroht. Insgesamt wurden in Al Hadidiya bereits 13 Mal verschiedene Bauten zerstört, alle noch stehenden Gebäude hatten seit längerem Zerstörungsbefehle, die teilweise für mehrere Jahre eingefroren werden konnten, jedoch jeden Moment umgesetzt werden konnten.

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