Schlagwort-Archive: Militäraktionen

Bildung in Palästina

Yanoun ist ein kleines Dorf südlich von Nablus, mit etwa 80 EinwohnerInnen. Hala, eine Yanouni, ist die Tochter von Yassir und Wasfia. Sie hat einen Abschluss von der Nablus Universität in angewandter Chemie. Ihr älterer Bruder ist Ingenieur und arbeitet in Riad. Ihr jüngerer Bruder studiert an derselben Universität Informatik und der Jüngste der Familie beginnt diesen Herbst sein Studium. Die Familie lebt von der Landwirtschaft, sie hat eine kleine Schafherde, ein paar Hühner und ein Stück Land mit Olivenbäumen. Bildung ist wichtig. Die Chancen, nach dem Studium eine Arbeit zu finden, sind gering. Hala sucht bereits seit zehn Monaten eine Stelle. Derweil produziert sie Seife und Cremes im Haus ihrer Familie.

Bildung in Palästina weiterlesen

Advertisements

Mit Biogurken gegen die Besatzungsmacht

DSC00291
Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Wenn die Besatzung des Westjordanlandes durch das israelische Militär jemals etwas Gutes hervorgebracht hat, dann ist es, dass Fayez Tanib Biobauer wurde.

Schon während seiner Jugend begann sich Fayez im gewaltlosen Widerstand politisch zu engagieren. Dies war seiner Meinung nach wohl auch der Grund, warum er 1978 festgenommen wurde, als er nach seinem Studium auf der Suche nach Arbeit die Allenbybrücke nach Jordanien überqueren wollte. 32 Tage sass er dazumal ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis und erhielt zusätzlich ein Ausreiseverbot auf unbestimmte Zeit. Da er danach in Palästina keine Arbeit finden konnte, die seiner Qualifikation als studierter Elektrotechniker entsprach, war er gezwungen in einem lokalen Bergwerk anzuheuern, wo er für einige Jahre arbeitete. Sein Vater betrieb eine Farm am Stadtrand von Tulkarem im nordwestlichen Westjordanland, wo seine Familie seit vielen Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftete. 1984 starb Fayez‘ Vater und mit ihm auch die Pflanzen, da niemand die Farm weiterführte. Als Fayez sechs Monate nach dem Tod seines Vaters seine Stelle in dem Bergwerk verlor, entschied er sich den Betrieb auf der Farm wieder aufzunehmen, womit er auch, wie sich später herausstellte, seinen Kampf gegen die Besatzung wieder aufnahm. Unterdessen hatte das israelische Militär direkt neben seinem Grundstück einen Sportplatz errichtet, wobei es auch gelegentlich das Grundstück von Fayez für ihre Aktivitäten nutzte. Natürlich liess sich das israelische Militär nicht einfach so von ein paar Gurken vertreiben und zertrampelte regelmässig seine Ernte. Fayez, der schon einiges über sich ergehen lassen musste, säte jedoch immer wieder von Neuem, bis sie ihn schliesslich vorerst gewähren liessen.

Im selben Jahr 1984, wurde angrenzend an Fayez Grundstück, die Nitzanei Shalom Industrie-Zone errichtet in der sich Israelis und Palästinenser durch wirtschaftliche Zusammenarbeit annähern sollten. Nitzanei Shalom bedeutet so viel wie „Knospen des Friedens“. Zu der Industrie-Zone gehören auch die Geshuri Fabriken in denen vor allem Düngermittel und Pestizide hergestellt werden. Zuvor standen die Geshuri Fabriken in Kfar Saba in Israel, wo sie 1982 aufgrund der Umweltverschmutzung durch eine Verfügung des israelischen Gerichtshofes geschlossen werden mussten.

Schnell bemerkte Fayez die Umweltschäden welche von den Fabriken ausgingen. So hatte er, seit die Fabriken errichtet wurden, des Öfteren Atemprobleme bei der Arbeit. Einige Jahre später stieg die Haut- und Lungenkrebsrate in Tulkarem drastisch an und ist heute viermal höher als in den übrigen palästinensischen Gebieten. Wie Fayez, vermutet auch Dr. Abdelfatah Tareq, Direktor des Gesundheitsamts von Tulkarem, dass die erhöhte Lungen- und Hautkrebsrate in Zusammenhang mit den Fabriken steht. Zudem haben palästinensische Fabrikmitarbeiter berichtet, dass sie die Anweisung erhalten haben bei Ostwind, welcher die Abgase über die Mauer nach Israel blasen würde, die Produktion einzustellen. Aus der Fabrik entweiche zudem auch schmutziges Abwasser, welches ungefiltert in den Boden fliesst, was die Farm und das gesamte Grundwasser der Region gefährdet.

Aufgrund der Chemiefabrik direkt neben seiner Farm wurden Fayez die Umweltschäden bewusst welche  die Düngermittel und Pestizide, die auch er benutzte, verursachten. Zudem wollte er auch keine Düngermittel und Pestizide mehr einkaufen, die hauptsächlich aus Israel kamen und evtl. mit den Geshuri Fabriken in Verbindung standen. So entschied er sich 1990 komplett auf die Chemie zu verzichten und begann mit dem biologischen Anbau. Die Umstellung war am Anfang nicht einfach, da er wenig über biologischen Anbau wusste und es zu dieser Zeit schwierig war in Palästina Informationen zu dem Thema zu bekommen. So experimentierte er meistens einfach bis er das gewünschte Resultat erzielte.

Mit der voranschreitenden Umweltbelastung durch die Fabrik fühlte Fayez sich jedoch dazu berufen, etwas aktiv gegen die Fabriken zu unternehmen und reichte 1998 bei den israelischen Behörden eine Beschwerde ein. Kurz darauf beobachtete Fayez, dass da, wo zuvor das Abwasser in den Boden sickerte, Tag und Nacht gearbeitet wurde. Als dann ein paar Gutachter kamen um sich die Situation vor Ort anzuschauen, stand da, wo zuvor das schmutzige Abwasser in ein Loch in der Erde gegossen wurde,  plötzlich ein Parkplatz mit Autos drauf. Für die Inspektoren und die israelischen Behörden hatte sich die Angelegenheit damit erledigt. Solche absurden Vorgänge sind in den besetzten Palästinensischen Gebieten nichts Ungewöhnliches. Auch später sind immer wieder Gutachter gekommen und haben Luft-, Boden- und Wasserproben genommen. Die Resultate dieser Untersuchungen wurden jedoch nie publiziert. Später versuchte Fayez mehrmals auf internationaler Ebene gegen die Geshuri Fabriken vorzugehen. Denn die Geshury Fabriken verstossen aus verschiedenen Gründen gegen internationales Recht, hauptsächlich da sie Teils auf privaten Grund von Palästinensern  errichtet wurden. Israel liess sich aber von den internationalen Beschlüssen nicht beeindrucken und so verschmutzen die Fabriken weiterhin die Luft und den Boden.

Mit dem Beginn der zweiten Intifada war es dann auch auf der Farm vorbei mit der Ruhe. 2003 konfiszierte Israel grosse Teile seines Landes um die Grenzmauer zu errichten, welche quer durch die Farm gezogen wurde. Seither ist seine Farm eingekeilt zwischen der Grenzmauer und den Chemiefabriken und nur noch durch eine kleine Zufahrtsstrasse erreichbar. Von den ursprünglichen 32 Dunums (3.2 Hektaren) Land seiner Familie blieben ihm gerade mal noch 13 Dunums. Als wäre das nicht genug, blockierte das Israelische Militär die Zufahrtsstrasse mit Betonblöcken, aus Sicherheitsgründen wie es hiess. So musste Fayez seine Güter und Gerätschaften jeweils 500 Meter zwischen der Strassensperre und der Farm hin und her tragen. Dies veranlasste Fayez, grösseres Geschütz aufzufahren und er wandte sich zusammen mit verschiedenen palästinensischen Organisationen wie „StopptheWall“ an den Internationalen Gerichtshof in den Haag um gegen die Mauer in Tulkarem Anklage zu erheben. Der internationale Gerichtshof gab Ihnen Recht und forderte Israel auf die Mauer wieder zu entfernen. Die Mauer steht jedoch immer noch und wird zurzeit gerade weiter ausgebaut.

Hakoritna Farm
Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Googlemaps/2017

Zwischen 2003 und 2005 musste Fayez unzählige weitere Schikanen über sich ergehen lassen. So wurde in diesem Zeitraum seine Bewässerungsanlage dreimal in Folge demoliert. Um herauszufinden wer dahinter steckt, legte sich Fayez in der Nacht auf die Lauer, bis er schliesslich einen Bulldozer auf frischer Tat ertappte.  Aus Wut stürmte er die Führerkabine, riss den Fahrer heraus und verpasste ihm einen Faustschlag. Es stellte sich heraus, dass er von den Geshuri Fabriken nebenan beauftragt wurde. Während dieser Zeit wurde auch mehrmals auf Fayez geschossen und er kam erneut sechs Monate in Untersuchungshaft. Als Fayez wieder im Gefängniss sass, musste seine Frau Mona die Farm alleine führen, worüber deren ältester Sohn später einen Dokumentarfilm erstellte. Der Kurzfilm ist zu sehen auf „the unkown soldiers“.

Als nächstes zerstörte das israelische Militär seine Gewächshäuser mit der Begründung, dass diese die Sicht auf das Gelände direkt an der Mauer versperren würden, wodurch ein Sicherheitsrisiko entstehe. Fayez liess sich jedoch nicht entmutigen und machte weiter. Als 2004 die Gurken wieder zu spriessen begannen, riegelte das israelische Militär das Gebiet mit einem Zaun komplett ab. Als Folge davon konnte Fayez sein Land für 18 Monate nicht betreten. Jeden Tag kam er zum Zaun um zu protestieren. Als er es dann eines Tages nicht mehr aushielt, schnitt er schliesslich ein Loch in den Zaun und nahm den Betrieb wieder auf. Anfangs prügelten ihn die Soldaten noch von seinem Land. Doch er versuchte es immer wieder, bis sie ihn schliesslich gewähren liessen. Die Farm war zu diesem Zeitpunkt weitgehend zerstört und er musste wieder von Null beginnen.

Heute ist Fayez Vater von vier Kindern und einer der erfahrensten und innovativsten Biobauern im Nahen Osten. Seinen Dünger  produziert er zum Beispiel aus Eseldung, welchen er von verschiedenen Eselhaltern aus der Stadt erhält. Mit einer selber gebauten Konstruktion mischt er den Dung mit Wasser und fängt oben das Methan ab, welches er unter anderem zum Kaffee kochen verwendet. Er besitzt auch eine grosse Samenbank mit welcher er internationalen Handel betreibt. Aufgrund der Wasserknappheit bewirtschaftet er seit neustem ein aquaponisches System, was als eine Kombination aus Fischfarm und Pflanzenanbau zu verstehen ist.  Dabei befindet sich das Wasser in einem Kreislauf zwischen Pflanzen und Fischbecken. Die Ausscheidungen der Fische (Ammonia) werden dabei durch Bakterien in Nitrate und Nitrite umgewandelt welche als Dünger für die Pflanzen dienen. Die Pflanzen und die Erde reinigen wiederum das Wasser, welches zurück in das Fischbecken fliesst.

Hakoritna Farm2.png
Methangewinnung aus Biodünger, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Die Hakoritna Farm produziert über Tomaten, Gurken, Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren fasst alles was in diesen Breitengraden anzutreffen ist. Mittlerweile ist sie in ganz Palästina und auch auf der anderen Seite der Mauer bekannt und es kommen Leute aus der ganzen Welt, um sich mit Fayez über biologischen Anbau auszutauschen.

Auf der Hakoritna Farm gibt es auch die Möglichkeit Freiwilligenarbeit zu leisten. Wer sich also für ein Volontariat auf Fayez‘ Farm interessiert und dabei mehr über biologischen Anbau erlernen will, kann ihn jederzeit auf seiner Facebook Seite #Hakoritna  kontaktieren.

Fahez Tanib
Fayez Tanib, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Stopthewall 2011

TO, Tulkarem, August 2017

Duma: Der Horror geht weiter

Der schreckliche Anschlag, der am 31. Juli 2015 in Duma, einem Dorf im Norden der Westbank, durchgeführt wurde und bei dem ein Kleinkind und seine Eltern getötet wurden, erfährt eine Fortsetzung (1). Am letzten Sonntag hätte sich die Geschichte beinahe wiederholt, als ein Molotov-Cocktail mitten in der Nacht ins Schlafzimmer des Hauptzeugen des Anschlags von letztem Sommer geworfen wurde.

Als sich unser EAPPI-Team am 20. März 2016 um sieben Uhr in der Früh auf den Weg in ein kleines Dorf im Distrikt Nablus machte, bemerkten wir beim Vorbeifahren, dass das Dorf Duma von israelischen Militär umstellt war. Wir riefen unsere Kontaktperson an, die uns mitteilte: „Sie haben versucht, Ibrahim und seine Frau umzubringen, ihr Haus wurde in Brand gesteckt“. Wir fuhren so schnell wie möglich nach Duma, wo eine Stimmung wie in einer Militärbasis herrschte: Duzende von Militär-Jeeps und israelische Soldaten waren ins Dorf eingedrungen, Tränengas vernebelte die Hauptstrasse.

image3
Bei unserer Ankunft in Duma schwebte Tränengas über der Hauptstrasse 20.3.2016©EAPPI/2016

Duma: Der Horror geht weiter weiterlesen

Welcome back, Nasser!

Welcome back, Nasser!

26. Januar 2016, 11h morgens, Yatta. Jemand klopft energisch an der Tür unserer EAPPI-Wohnung, deren Temperatur aufgrund der starken Schneefälle in den letzten Tagen in den Keller gerutscht ist. Mein Kollege freut sich über die willkommene Abwechslung in unserer Anti-Kälte-Routine und beeilt sich, die Tür zu öffnen. Vor uns steht Nasser Nawajah, unser Vermieter, Aktivist in der israelischen Organisation B’Tselem, die die Menschenrechte verteidigt, und einer der Führer der Dorfgemeinschaft in Susiya! Welch eine wunderbare Überraschung! Ohne zu zögern bieten wir ihm unseren besten Platz an der Heizung an, sowie eine Tasse süssen heissen Tee. Sofort beginnt er, uns die Ereignisse der letzten Tage zu erzählen, die mit einer Art Happy End beginnen: nämlich mit seiner Freilassung aus dem Militärgefängnis Ofer, gerade erst gestern!

nasserSeine Geschichte hört sich an wie eine « Studie über das israelische Rechtssystem, oder eigentlich über die militärische Besetzung » (http://972mag.com/israeli-police-smuggle-palestinian-suspect-out-of-the-country/116167/):

In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 2016, zwischen 1h und 2h morgens, wird das Beduinencamp von Susiya brutal aus dem Schlaf gerissen: ungefähr 20 Militärjeeps, etliche israelische Soldaten, schwer bewaffnet und maskiert, überfallen das Dorf, erleuchten die Zelte mit ihren hellblendenden Projektoren. Einer der Brüder von Nasser wird zuerst geweckt und von den Soldaten, die ihn für Nasser halten, schikaniert. Sobald der Irrtum aufgeklärt ist, wenden sich die Soldaten an Nasser, der eine offizielle Vorladung auf das Polizeikommissariat vorgezogen hätte. Stattdessen werden ihm Handschellen angelegt, vor seiner Frau, den erschrockenen Kindern, vor den Augen der ganzen Familie, und er wird abgeführt – niemand weiss wohin.

Welcome back, Nasser! weiterlesen

Zerstörte Häuser, zerstörte Hoffnung

1 - P1090444
13.01.16 South Hebron Hills, Khirbet Ar Rahwa, zerstörte Häuser, Photo EAPPI

Heute ist Mittwoch, der 13. Januar 2016, 12 Uhr mittags in Khirbet Ar Rahwa, ungefähr 15 km südwestlich von Yatta gelegen, nur 1km vom Checkpoint Meitar entfernt, im Süden der sogenannten “Green Line”. Das Hauszelt und ein Schafstall der Familie von Raje Barhan Samamri sind eben gerade zerstört worden, und zwar aufgrund eines Befehls der israelischen Distriktkoordination, die die Zone C auf der palästinensischen Westbank im Auftrag der israelischen Armee verwaltet.

Zerstörte Häuser, zerstörte Hoffnung weiterlesen

Leben unter Raketenhagel

Nomika Zion lebt in Sderot, einer israelischen Kleinstadt rund einen Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen entfernt. Sderot ist in den internationalen Medien als „Hauptstadt der Bomben­schutzräume“ bekannt, weil es aufgrund seiner Lage besonders stark von Raketenangriffen aus dem Gazastreifen betroffen ist. Im Jahr 2008 sind gemäss Nomika Zion teilweise 20 bis 50 Raketen am Tag auf Sderot abgefeuert worden; meistens morgens zwischen 7.00 und 8.30 Uhr, wenn die Leute auf dem Weg in die Schule oder zur Arbeit waren. Statistiken des Israelischen Aussenministeriums zufolge waren im Jahr 2008 insgesamt rund 3000 Raketenangriffe auf Sderot und den südlichen Teil Israels zu verzeichnen.

Die letzte grössere Welle von Raketenangriffen gab es während dem Gazakrieg 2014 und erst Mitte September 2015 ist wieder eine Rackete in Sderot expodiert. Auch wenn die Lage im Moment vergleichsweise ruhig ist, leben die rund 24‘000 Einwohner Sderots doch täglich mit der Angst, dass die Situation erneut eskalieren könnte und sie einen weiteren Raketenhagel aus dem Gazastreifen über sich ergehen lassen müssen.  Leben unter Raketenhagel weiterlesen

Militärtraining im Jordanvalley

„Unsere wichtigste Strasse und die Wasserleitung wurde im Militärtraining zerstört“

Die Bevölkerung im Jordantal ist beunruhigt. Vom 2. Mai bis 6. Mai 2015 ist ein grösseres Militärtraining als alle bisherigen angekündigt. 56 Prozent der Hirten- und Beduinenfamilien in der Area C im Jordan Valley leben angrenzend an die militärischen Zonen. Sie sind von den vielfältigen Einschränkungen wie Weideverbot und Ausgangssperren in den militärischen Zonen ständig betroffen. Die Militärtrainings starten jeweils im Winter und dauern bis in den späten Frühling.

militärtraining1

Hirten und Beduinen in der Nähe der militärischen Zonen wissen, was ein Militärtraining bedeutet:

• Hunderte von Panzern, Militärfahrzeugen und Helikoptern, die Weideland und Ernte zerstören.

• Evakuierungen vieler Familien, was bedeutet, mit den Kindern und Tieren die Unterkünfte von 06.00 Uhr morgens bis 06.00 Uhr abends zu verlassen und in einem anderen Dorf den ganzen Tag in der Hitze auszuharren.

• Keine Schulbesuche weil die Zugänge abgesperrt sind.

• Abgebrannte Weiden und Felder und danach der Kauf von Futter für die Tiere.

• nicht explodierte Minen auf dem Weideland und den Feldern, höchste Gefahr für Menschen und Tiere.

Was sie nicht wissen ist, was ein noch grösseres Militärtraining als die bisherigen bedeutet. Und davor haben sie Angst und sind verunsichert. Einige sind wütend. Die SiedlerInnen in der Nähe der militärischen Zonen sind von den Einschränkungen nicht betroffen. Sie können ihr Land ungehindert kultivieren und den gewohnten Alltag in ihren meist noblen Häusern weiter leben.

Militärtraining im Jordanvalley weiterlesen

Jordantal

Die Konfiszierung und Umzonung von Land in palästinensischem Besitz ist eines der grössten Probleme der Bevölkerung, die im besetzten Jordantal lebt. Diese Strategie hat dazu geführt, dass rund 94% des Landes im Jordantal nicht mehr zugänglich ist für die PalästinenserInnen, die es besitzen. Die gewaltsame Vertreibung von PalästinenserInnen aus ihre Dörfern und von ihrem Land hat zum Ziel, ganze Zonen zu militärischem Übungsgelände für die israelische Armee umzufunktionieren oder für den Ausbau von Siedlungen zu nutzen. Der Gebrauch unterirdischer Wasserressourcen durch die gemäss internationalem Recht illegalen israelischen Siedlungen bringen die landwirtschaftliche Produktion zum Stillstand und verunmöglichen jegliche wirtschaftliche Entwicklung für die PalästinenserInnen in der Region.

Jordantal weiterlesen

Nördliches Westjordanland

Einige palästinensische Familien im nördlichen Westjordanland sind in den sogenannten „seam zones“ regelrecht eingeschlossen,  in dem Gebiet zwischen der „grünen Linie“ (der international anerkannten Grenze von 1949) und der israelischen Trennmauer, die zum Teil weit in palästinensisches Territorium hineinreicht. Seit dem Bau der israelischen Trennmauer ist es für viele Bauern und Bäuerinnen schwierig, die notwendige Bewilligung für den Zugang zu ihrem eigenen Land zu bekommen. Aber auch mit der entsprechenden Bewilligung wird ihnen oft verwehrt, die Landwirtschaftstore  und Checkpoints zu passieren.  Die Armee führt im nördlichen Westjordanland regelmässig militärische Durchsuchungen und Verhaftungen durch. Gewalt und Belästigungen durch israelische SiedlerInnen gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung ist ein zunehmendes Problem.

02.12.2014_Nazlat Isa_Monitoring access to education, school children pass through the checkpoint at Nazlat Isa_Peggy Brett
Eine Freiwillige von EAPPI ist am Checkpoint von Nazlat präsent, einem Dorf zwischen der „grünen Linie“ in der Nähe von Tulkarem, um sicherzustellen, dass die Kinder, die jenseits des israelischen Trennmauer leben, zur Schule gehen können. ©EAPPI/2014

Nördliches Westjordanland weiterlesen