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Mit Biogurken gegen die Besatzungsmacht

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Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Wenn die Besatzung des Westjordanlandes durch das israelische Militär jemals etwas Gutes hervorgebracht hat, dann ist es, dass Fayez Tanib Biobauer wurde.

Schon während seiner Jugend begann sich Fayez im gewaltlosen Widerstand politisch zu engagieren. Dies war seiner Meinung nach wohl auch der Grund, warum er 1978 festgenommen wurde, als er nach seinem Studium auf der Suche nach Arbeit die Allenbybrücke nach Jordanien überqueren wollte. 32 Tage sass er dazumal ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis und erhielt zusätzlich ein Ausreiseverbot auf unbestimmte Zeit. Da er danach in Palästina keine Arbeit finden konnte, die seiner Qualifikation als studierter Elektrotechniker entsprach, war er gezwungen in einem lokalen Bergwerk anzuheuern, wo er für einige Jahre arbeitete. Sein Vater betrieb eine Farm am Stadtrand von Tulkarem im nordwestlichen Westjordanland, wo seine Familie seit vielen Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftete. 1984 starb Fayez‘ Vater und mit ihm auch die Pflanzen, da niemand die Farm weiterführte. Als Fayez sechs Monate nach dem Tod seines Vaters seine Stelle in dem Bergwerk verlor, entschied er sich den Betrieb auf der Farm wieder aufzunehmen, womit er auch, wie sich später herausstellte, seinen Kampf gegen die Besatzung wieder aufnahm. Unterdessen hatte das israelische Militär direkt neben seinem Grundstück einen Sportplatz errichtet, wobei es auch gelegentlich das Grundstück von Fayez für ihre Aktivitäten nutzte. Natürlich liess sich das israelische Militär nicht einfach so von ein paar Gurken vertreiben und zertrampelte regelmässig seine Ernte. Fayez, der schon einiges über sich ergehen lassen musste, säte jedoch immer wieder von Neuem, bis sie ihn schliesslich vorerst gewähren liessen.

Im selben Jahr 1984, wurde angrenzend an Fayez Grundstück, die Nitzanei Shalom Industrie-Zone errichtet in der sich Israelis und Palästinenser durch wirtschaftliche Zusammenarbeit annähern sollten. Nitzanei Shalom bedeutet so viel wie „Knospen des Friedens“. Zu der Industrie-Zone gehören auch die Geshuri Fabriken in denen vor allem Düngermittel und Pestizide hergestellt werden. Zuvor standen die Geshuri Fabriken in Kfar Saba in Israel, wo sie 1982 aufgrund der Umweltverschmutzung durch eine Verfügung des israelischen Gerichtshofes geschlossen werden mussten.

Schnell bemerkte Fayez die Umweltschäden welche von den Fabriken ausgingen. So hatte er, seit die Fabriken errichtet wurden, des Öfteren Atemprobleme bei der Arbeit. Einige Jahre später stieg die Haut- und Lungenkrebsrate in Tulkarem drastisch an und ist heute viermal höher als in den übrigen palästinensischen Gebieten. Wie Fayez, vermutet auch Dr. Abdelfatah Tareq, Direktor des Gesundheitsamts von Tulkarem, dass die erhöhte Lungen- und Hautkrebsrate in Zusammenhang mit den Fabriken steht. Zudem haben palästinensische Fabrikmitarbeiter berichtet, dass sie die Anweisung erhalten haben bei Ostwind, welcher die Abgase über die Mauer nach Israel blasen würde, die Produktion einzustellen. Aus der Fabrik entweiche zudem auch schmutziges Abwasser, welches ungefiltert in den Boden fliesst, was die Farm und das gesamte Grundwasser der Region gefährdet.

Aufgrund der Chemiefabrik direkt neben seiner Farm wurden Fayez die Umweltschäden bewusst welche  die Düngermittel und Pestizide, die auch er benutzte, verursachten. Zudem wollte er auch keine Düngermittel und Pestizide mehr einkaufen, die hauptsächlich aus Israel kamen und evtl. mit den Geshuri Fabriken in Verbindung standen. So entschied er sich 1990 komplett auf die Chemie zu verzichten und begann mit dem biologischen Anbau. Die Umstellung war am Anfang nicht einfach, da er wenig über biologischen Anbau wusste und es zu dieser Zeit schwierig war in Palästina Informationen zu dem Thema zu bekommen. So experimentierte er meistens einfach bis er das gewünschte Resultat erzielte.

Mit der voranschreitenden Umweltbelastung durch die Fabrik fühlte Fayez sich jedoch dazu berufen, etwas aktiv gegen die Fabriken zu unternehmen und reichte 1998 bei den israelischen Behörden eine Beschwerde ein. Kurz darauf beobachtete Fayez, dass da, wo zuvor das Abwasser in den Boden sickerte, Tag und Nacht gearbeitet wurde. Als dann ein paar Gutachter kamen um sich die Situation vor Ort anzuschauen, stand da, wo zuvor das schmutzige Abwasser in ein Loch in der Erde gegossen wurde,  plötzlich ein Parkplatz mit Autos drauf. Für die Inspektoren und die israelischen Behörden hatte sich die Angelegenheit damit erledigt. Solche absurden Vorgänge sind in den besetzten Palästinensischen Gebieten nichts Ungewöhnliches. Auch später sind immer wieder Gutachter gekommen und haben Luft-, Boden- und Wasserproben genommen. Die Resultate dieser Untersuchungen wurden jedoch nie publiziert. Später versuchte Fayez mehrmals auf internationaler Ebene gegen die Geshuri Fabriken vorzugehen. Denn die Geshury Fabriken verstossen aus verschiedenen Gründen gegen internationales Recht, hauptsächlich da sie Teils auf privaten Grund von Palästinensern  errichtet wurden. Israel liess sich aber von den internationalen Beschlüssen nicht beeindrucken und so verschmutzen die Fabriken weiterhin die Luft und den Boden.

Mit dem Beginn der zweiten Intifada war es dann auch auf der Farm vorbei mit der Ruhe. 2003 konfiszierte Israel grosse Teile seines Landes um die Grenzmauer zu errichten, welche quer durch die Farm gezogen wurde. Seither ist seine Farm eingekeilt zwischen der Grenzmauer und den Chemiefabriken und nur noch durch eine kleine Zufahrtsstrasse erreichbar. Von den ursprünglichen 32 Dunums (3.2 Hektaren) Land seiner Familie blieben ihm gerade mal noch 13 Dunums. Als wäre das nicht genug, blockierte das Israelische Militär die Zufahrtsstrasse mit Betonblöcken, aus Sicherheitsgründen wie es hiess. So musste Fayez seine Güter und Gerätschaften jeweils 500 Meter zwischen der Strassensperre und der Farm hin und her tragen. Dies veranlasste Fayez, grösseres Geschütz aufzufahren und er wandte sich zusammen mit verschiedenen palästinensischen Organisationen wie „StopptheWall“ an den Internationalen Gerichtshof in den Haag um gegen die Mauer in Tulkarem Anklage zu erheben. Der internationale Gerichtshof gab Ihnen Recht und forderte Israel auf die Mauer wieder zu entfernen. Die Mauer steht jedoch immer noch und wird zurzeit gerade weiter ausgebaut.

Hakoritna Farm
Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Googlemaps/2017

Zwischen 2003 und 2005 musste Fayez unzählige weitere Schikanen über sich ergehen lassen. So wurde in diesem Zeitraum seine Bewässerungsanlage dreimal in Folge demoliert. Um herauszufinden wer dahinter steckt, legte sich Fayez in der Nacht auf die Lauer, bis er schliesslich einen Bulldozer auf frischer Tat ertappte.  Aus Wut stürmte er die Führerkabine, riss den Fahrer heraus und verpasste ihm einen Faustschlag. Es stellte sich heraus, dass er von den Geshuri Fabriken nebenan beauftragt wurde. Während dieser Zeit wurde auch mehrmals auf Fayez geschossen und er kam erneut sechs Monate in Untersuchungshaft. Als Fayez wieder im Gefängniss sass, musste seine Frau Mona die Farm alleine führen, worüber deren ältester Sohn später einen Dokumentarfilm erstellte. Der Kurzfilm ist zu sehen auf „the unkown soldiers“.

Als nächstes zerstörte das israelische Militär seine Gewächshäuser mit der Begründung, dass diese die Sicht auf das Gelände direkt an der Mauer versperren würden, wodurch ein Sicherheitsrisiko entstehe. Fayez liess sich jedoch nicht entmutigen und machte weiter. Als 2004 die Gurken wieder zu spriessen begannen, riegelte das israelische Militär das Gebiet mit einem Zaun komplett ab. Als Folge davon konnte Fayez sein Land für 18 Monate nicht betreten. Jeden Tag kam er zum Zaun um zu protestieren. Als er es dann eines Tages nicht mehr aushielt, schnitt er schliesslich ein Loch in den Zaun und nahm den Betrieb wieder auf. Anfangs prügelten ihn die Soldaten noch von seinem Land. Doch er versuchte es immer wieder, bis sie ihn schliesslich gewähren liessen. Die Farm war zu diesem Zeitpunkt weitgehend zerstört und er musste wieder von Null beginnen.

Heute ist Fayez Vater von vier Kindern und einer der erfahrensten und innovativsten Biobauern im Nahen Osten. Seinen Dünger  produziert er zum Beispiel aus Eseldung, welchen er von verschiedenen Eselhaltern aus der Stadt erhält. Mit einer selber gebauten Konstruktion mischt er den Dung mit Wasser und fängt oben das Methan ab, welches er unter anderem zum Kaffee kochen verwendet. Er besitzt auch eine grosse Samenbank mit welcher er internationalen Handel betreibt. Aufgrund der Wasserknappheit bewirtschaftet er seit neustem ein aquaponisches System, was als eine Kombination aus Fischfarm und Pflanzenanbau zu verstehen ist.  Dabei befindet sich das Wasser in einem Kreislauf zwischen Pflanzen und Fischbecken. Die Ausscheidungen der Fische (Ammonia) werden dabei durch Bakterien in Nitrate und Nitrite umgewandelt welche als Dünger für die Pflanzen dienen. Die Pflanzen und die Erde reinigen wiederum das Wasser, welches zurück in das Fischbecken fliesst.

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Methangewinnung aus Biodünger, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©TO/EAPPI/2017

Die Hakoritna Farm produziert über Tomaten, Gurken, Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren fasst alles was in diesen Breitengraden anzutreffen ist. Mittlerweile ist sie in ganz Palästina und auch auf der anderen Seite der Mauer bekannt und es kommen Leute aus der ganzen Welt, um sich mit Fayez über biologischen Anbau auszutauschen.

Auf der Hakoritna Farm gibt es auch die Möglichkeit Freiwilligenarbeit zu leisten. Wer sich also für ein Volontariat auf Fayez‘ Farm interessiert und dabei mehr über biologischen Anbau erlernen will, kann ihn jederzeit auf seiner Facebook Seite #Hakoritna  kontaktieren.

Fahez Tanib
Fayez Tanib, Hakoritna Farm, Tulkarem, ©Stopthewall 2011

TO, Tulkarem, August 2017

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Tagebuchnotizen der ersten Wochen

Seit drei Wochen bin ich jetzt in Palästina/Israel. Mit zwei Teammitgliedern, A. (GB) und Ch. (A) lebe ich zusammen mit der palästinensischen Bevölkerung für drei Monate in ihrem Dorf in Yanoun.

Yanoun liegt südöstlich von Nablus in einer ländlichen Region. Das Dorf hat 86 Einwohnende, welche von der Landwirtschaft leben. Tierhaltung (Schafe, Kühe, Ziegen, Hühner, Truthähne) und Agrikultur. Das Dorf ist umgeben von wunderschönen Landschaften mit Oliven – und Mandelbäumen, vielen Kräutern und exotischen Pflanzen.

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Building up the same house from scratch, every year again

In this world of contrasts I struggle every day to make sense of the current system. One of the things which challenge my understanding is house demolitions, specifically self-demolitions.

On Sunday we finished our midterm orientation (a week of training, speeches, and visits) and I went with some colleagues to Masada, a touristic archaeological site at the Dead Sea, in Israel. Accordingly, we took the bus in West Jerusalem (the Israeli side of the city), took an Israeli bus (no Palestinian was sitting there – only Israeli civilians, some fully armed soldiers, foreign tourists, and we) and crossed the West Bank. It was a modern bus; it even had Wi-Fi. On our way out of Jerusalem we passed some settlements. In these weeks here I have learned quickly how to distinguish them from Palestinian villages. First, the houses have red roofs without water canisters on top, while all Palestinian houses need these in order to store water. Second, building cranes stick out pointing towards settlement expansion. These are not seen in Palestinian villages, as most of them are not allowed to build anything and if they do, it is without knowing how long these constructions will stand. I will come back to this later. Third, settlements are generally located on the top of the hill, a very strategic consideration.

On our small touristic trip we pass by several villages of Bedouins living alongside the road. Two weeks ago I went to one of these, Bir al Maskoob, because there had been several house demolitions. Bedouins used to be nomadic, but with time they settled down. Most of them live currently in small villages, yet as they are herders, they depend on access to land for their cattle to graze on. This land – not only the land of Bedouins but of all Palestinians – has been restricted and/or taken away through many means (which I will explain in another article) and is still an ongoing process.

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Bedouin community of Bir al Maskoob, in the background the Ma’ale Adumim settlement.

Back to Bir al Maskoob. We arrived there – my colleague, our driver, who also served as our translator, and me. The small community lies next to the highway; directly on the other side we could see the Ma’ale Adumim settlement (which according to Wikipedia reached “city” status and has currently around 40’000 inhabitants) overlooking the highway and the several communities and villages. Through a small swaying path we walked towards the community. The houses are mainly a patchwork of corrugated iron, pieces of fabric, and plastic canvas. Goats and donkeys walked in between them, a small boy was driving a small bike. We talked to Hakim (pseudonym), the father of one family, who told us about the happening. His 15-year old son was standing next to him. They just lost their house, yet I saw no crying, no outrage, no strong emotions. It was not the first time that they were standing next to a scrap heap which some hours before had been their home. Every year they come to demolish his house, Hakim told us, referring to the Israeli authorities. This day they had come at 8:30 in the morning: two bulldozers, 10 military cars, and 50-60 soldiers. The balance: 9 houses and 3 animal shelters were razed to the ground. “The Israelis” had come without previous notice – Hakim and his family were surprised by bulldozers during breakfast.

Hakim and his family, like many other Palestinians, have the misfortune of living in Area C. This is a result of the Oslo II Agreement of 1995, which divided the West Bank in Areas A, B, and C. Area C is under full Israeli control and comprises the large majority (62%) of the West Bank. Area B (21%) is under civil Palestinian but military Israeli control, whereby only Area A (17% of the West Bank) is under full control of the Palestinian authority. To build or renovate anything in Area C, be it a second floor, a water well, a bird house, or solar panels, one needs approval from the Israeli authority. In the last years, less than 1% of the building requests have been approved. Accordingly, people are forced to build what under Israeli law is considered “illegally”.

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Map of the West Bank, Area C is the dark brown area. Areas A and B are the light patches in the map. As can be seen, the territory controlled by the Palestinian Authority (Palestine) is not one unified territory, but rather several islands separated from each other.

The main Palestinian cities are located in Area A, yet most of the villages are in Area C. Tuqu’ is for instance a village where we go almost every day to monitor the school. This village is located 70% in Area C and 30% in Area B. The school lies next to a highway between two sharp curves. If somebody of you has been here, you will know how people drive – fast and dangerous. Children have to cross this street every day in order to go to school, a dangerous undertaking. The teachers painted a zebra-crossing in front of the school, yet as the street is located on Area C, the zebra-crossing has been removed. Now teachers come to school early enough to help children crossing with red “STOP” signs.

Even though Israeli law (which contradicts international law!) forbids building in Area C, Palestinians do it. Sometimes an animal shelter has to be built, a wall is so old that it has to be renewed, the roof has a hole and must be repaired, or a new floor must added as the family is expanding and the new families have to settle somewhere. These activities are prohibited. When the Israeli Administration becomes aware of this (e.g. by means of drones or helicopters), it hands out a so-called Work Stop Order. When the construction continues, a Demolition Order is filed. This means that the structure will be demolished sometime – maybe the next day, maybe in a week, but it can also happen in 10 years. Currently, there are around 7’000 pending demolition orders. As the mail system doesn’t work as in Switzerland, sometimes the written demolition order is put under a stone and the residents don’t find out about it until they find bulldozers waking them up. In East Jerusalem, people have to pay a demolition fine of some thousand USD. To avoid this, many persons choose the lesser of the two evils and decide to demolish their houses themselves, so called self-demolitions.

Luckily, Hakim didn’t have to pay for the demolition of his home. However, he had not gotten a demolition order. As his house has been demolished in the past years and he had rebuilt it again and again, no demolition order was issued after the first one. On the question what Hakim will do now, his answer was – of course – rebuilding it again. What else can he do? Yet until when will it last? Nobody knows. This pseudo-legal Israeli system doesn’t allow anybody, not even international institutions, to invest in the large majority (Area C) of the West Bank. A couple of weeks ago we accompanied the UN field officer to a village close to Bethlehem where solar panels had been built. Before, the villagers didn’t have electricity; now they have a fridge, can watch TV, and have light 24/7. When we visited them, however, one woman told us about a drone which has already flown over the village filming the panels. How long will the panels stay? At least 5 years, the UN officer told us, because they have a good lawyer. But sooner or later, also this village must count with a demolition.

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Belongings of the family affected by the demolition of their house in Bir al Maskoob

In Bir al Maskoob we talked to Hakim and wrote down the data we needed to write an incident report. I feel terribly useless and frustrated; there is nothing we can do. I get closer to the women who are sitting with the children and start to chat with them. “It is cold and tonight it will rain” they tell me. “Inshallah it won’t” I responded. And with this in mind I step into our taxi and left the Bedouin community behind, ready to rebuild their houses once again.

 

“Susiya, it’s finished!”

Aus aktuellen Gründen veröffentlichen wir diesen Text auf englisch, übernommen von blog.eappi.org
By South Hebron Hills team.
Before us about 20 tents mostly made out of black or white tarpaulin sheets are nestled into the rugged landscape. The only sounds that can be heard are the faint sound of a television in one of the furthest tents, sometimes the bleat of a sheep, our footsteps, and the wind lifting up the dust earth beneath us; it barely alleviates the stifling summer heat. A number of small water cisterns are scattered amongst the tents. It looks like a makeshift camp even though it has been here for decades. We are in the Palestinian village of Susiya, in the south of the West Bank. Here there is no proper infrastructure, no running water or electricity supply. It stands in stark contrast to the Israeli settlement nearby, which looks like your average 21st century housing estate and is fully integrated into Israel’s national power grid, water and telecommunication systems.

Susiya village with settlement in the background. Photo EAPPI/ L.l. Pianezza 28.6.2015 -

Palestinian village of Susiya in the foreground and the Israeli settlement of Susya in the background. Photo EAPPI/ L.l. Pianezza 28.06.2015

A few minutes ago, Nasser, the spokesperson of the community, called us in a hurry. “People from another village called me, some bulldozers are coming in the direction of Susiya”, he said in alarm. We (Ecumenical Accompaniers) were in another village South of Hebron at the time, so we quickly drove to Susiya, but when we arrived everything was quiet. None the less Nasser still fears that a demolition could occur at some point during the day, either here or in another village.

In Susiya the fear of demolition never goes away. Since the 80s, the Israeli authorities have given demolition orders to almost every structure in the village; including the bee hives. [1] And any time the residents build a new structure it too is threatened with demolition (even those funded by international donors as humanitarian relief). [2]

Susiya august 2016 Jihad, head of the village and his sister sitting in front of family tent - photo EAPPISHH

Jihad, head of the village, and his sister sitting in front of family tent. Photo EAPPI 08.2016

We are in area C of the occupied West Bank, this is the 60% of the West Bank that is under full Israeli administrative and military control. According to the Oslo agreements of 1995, Israel’s control over this area was supposed to be a temporary but over two decades later nothing has changed.

Palestinians have no planning and zoning authority for their lands and communities in area C, it is fully controlled by Israel’s Civil administration. While the Civil Administration aids the construction and expansion of illegal Israeli settlements in area C it almost never grants master plans or building permits to Palestinian villages, even if, like Susiya, they can prove private ownership of the land.[3] [4] Therefore, Palestinian communities are forced to build their homes illegally, buy their water from a private Israeli water company and rely on humanitarian organisation for solar powered electricity.

Susiya augist 2016 Nasser spokesman of Susiya in front of a tent in susiya1 photo EAPPISHH

Nasser spokesman of Susiya in front of a tent in Susiya Photo EAPPI. 08.2016

On one of the tents, an inscription already a bit shabby reads: “Susyia 4 ever”. One year ago, diplomatic missions, international organisations and peace activists from all over the world made their way here, to stand in solidarity with the villagers. The village became a symbol of Palestinian steadfastness and Israeli policies. At the time, the High Court of Justice, was expected to rule on the fate of the village, but it postponed the decision. Following international condemnation no demolitions took place and the villagers and the Israeli authorities began dialogue about approving the villages proposed master plan.

Today, as the international attention has waned, Susiya is once again under threat of demolition. On the first of August, the Israeli High Court gave the new Minister of Defense two weeks to decide whether or not to continue negotiating with the residents of Susiya. The community is pretty pessimistic. If he decides not to resume dialogue with the residents, the demolitions could be imminent. It will then be up to the Court to decide if it will accept the state’s request to demolish 40% of the village. [5]

“Susiya; it will soon be finished”  says Ahmad, one of the villagers, as he herds his sheep to graze on the fields surrounding his village – like every day. Even if he is worried, one cannot read it on his face. Then he turns his attention to tuning in his favourite radio station to listen to, while waiting for his sheep to eat their fill. Palestinian music suddenly invades the air, interrupting the conversation.

Watching the sheep at the end of the day - Photo/A. Forsberg. 07.13. 2015

Shepherds watching the sheep at the end of the day – Photo EAPPI/A. Forsberg. 07.13. 2015

Even if the morning’s events revealed the tension in which the villagers have to live permanently, Nasser, his wife, or his father Mohammed Nawajah, who already saw the village destroyed or displaced multiple times, also seem strangely serene. They invite us in for tea, picking the first fruits from their fig trees and offer them to us. Over time they had to find ways to continue their daily lives despite a permanently uncertain future. To carry on going to bed each night not knowing if bulldozers will be there the next morning. The peoples attitude is best summed up in the phrase often said here; “Insh’Allah”, (meaning: if God wills). The simple and quiet shepherding life goes on, and they trust that solutions will be found somehow. But the community is also determined to resist to forced displacement.[6] It’s their land.

As we leave the village, we join the main road and after a few hundred meters we reach a junction. On the road sign, it indicates Bersheva, Israel’s door to the Neguev desert, on the right, and Kiryat Arba (an Israeli settlement next to Hebron), on the left. No mention of the two main Palestinian cities just a few kilometres away, Yatta, 70’000 inhabitants, and Hebron, almost 200’000 inhabitants. According to the road signs, they don’t exist.


Keep up to date with the latest developments for the Palestinian village of Susiya by following the Israeli organisation Rabbis for Human Rights.

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Baustoppverfügung in Susiya: Der Erste Schritt in Richtung Hauszerstörung

Am 10. Mai 2016 wurde durch das Koordinationsbüro für zivile Administration der israelischen Armee, dessen Funktionäre von israelischen Soldaten begleitet wurden, vier Baustoppverfügungen für Unterkünfte in Susiya, südlich von Hebron, ausgesprochen.

Baustoppverfügung in Susiya: Der Erste Schritt in Richtung Hauszerstörung weiterlesen

Zwei Frauen, eine Geschichte …

Maliha hat ihr schönstes Kleid angezogen für unser Treffen; es ist lang und schwarz mit der typischen roten Stickerei auf der Brust und einer silbernen Bordüre an den langen Ärmeln. Ein einfacher schwarzer Schleier bedeckt ihren Kopf, jedoch nicht das freundliche Gesicht. Leider dürfen wir sie nicht fotografieren, doch das Bild der würdevollen älteren Frau, die uns ruhig gegenüber sitzt, werden wir sobald nicht vergessen.

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Duma: Der Horror geht weiter

Der schreckliche Anschlag, der am 31. Juli 2015 in Duma, einem Dorf im Norden der Westbank, durchgeführt wurde und bei dem ein Kleinkind und seine Eltern getötet wurden, erfährt eine Fortsetzung (1). Am letzten Sonntag hätte sich die Geschichte beinahe wiederholt, als ein Molotov-Cocktail mitten in der Nacht ins Schlafzimmer des Hauptzeugen des Anschlags von letztem Sommer geworfen wurde.

Als sich unser EAPPI-Team am 20. März 2016 um sieben Uhr in der Früh auf den Weg in ein kleines Dorf im Distrikt Nablus machte, bemerkten wir beim Vorbeifahren, dass das Dorf Duma von israelischen Militär umstellt war. Wir riefen unsere Kontaktperson an, die uns mitteilte: „Sie haben versucht, Ibrahim und seine Frau umzubringen, ihr Haus wurde in Brand gesteckt“. Wir fuhren so schnell wie möglich nach Duma, wo eine Stimmung wie in einer Militärbasis herrschte: Duzende von Militär-Jeeps und israelische Soldaten waren ins Dorf eingedrungen, Tränengas vernebelte die Hauptstrasse.

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Bei unserer Ankunft in Duma schwebte Tränengas über der Hauptstrasse 20.3.2016©EAPPI/2016

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Firing Zone 918: Medienwirksame Zerstörungen

In meinem letzten Blog «Firing Zone 918: zwischen Rechtsstreit und harten Fakten», berichtete ich über unseren Besuch in Jinba Anfang Februar, über den endlosen Rechtsstreit und die kürzlich erfolgten Hauszerstörungen. Diese Ereignisse haben nicht nur ein Licht auf die prekäre Situation dieses Dorfes geworfen, sondern auch viele Fragen aufgeworfen, die die Rolle der Medien und journalistische Arbeitsweisen betreffen.

Am 2. Februar fahren wir mit dem Allradfahrzeug über steinige Pisten in den Süden der sogenannten «Firing Zone 918» (1), doch zwischendurch halten wir noch in Susiya, wo Aktivisten von B’Tselem, einige Journalisten und Photographen auf uns warten. Eine französische Journalistin steigt zu uns in den Wagen. Sie entfaltet eine kleine Landkarte, versucht sich zu orientieren; ganz offensichtlich ist sie nie hier gewesen. Dann telefoniert sie, um jemanden über ihren Standpunkt zu informieren; sie bemüht sich cool zu bleiben.

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Firing Zone 918: zwischen Rechtsstreit und harten Fakten

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Quelle: OCHA OPT

„Die Vermittlung zwischen den Masafer-Yatta-Dörfern und der israelischen Armee ist gescheitert“, erklärt uns Hamed Qawasmeh, mit dem wir in seinem weissen UN-Allradfahrzeug nach Jinba fahren, im Süden der Firing Zone 918. „Sie haben das Zeitfenster genutzt, bevor das Gerichtsverfahren wieder beginnt, und schaffen nun harte Fakten vor Ort“. Hamed, normalerweise sehr ruhig, scheint zornig zu sein. Er leitet das Büro der Vereinten Nationen in Hebron, OHCHR oPt (Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights). Er hat uns heute, am 2. Februar 2016, sehr früh angerufen, um uns mitzuteilen, dass die Zerstörung von Wohnzelten und anderen Bauten in Jinba um 5:00 Uhr morgens begonnen hat. Auch umliegende Dörfer sind betroffen, und er hat uns vorgeschlagen, ihn in die Gegend zu begleiten.

Was hier im Süden von Hebron zur Zeit geschieht, ist emblematisch für die Situation auf der gesamten Westbank; wir rufen uns noch schnell die Fakten in Erinnerung.

Quelle: OCHA OPT
Quelle: OCHA OPT

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